deine Liebe

Eine Liebes Idee.

Jul 29

Sabrina zieht um - Steht nur Liebe auf dem Spiel?

Category: Allgemein

liebeina zieht um - eigentlich nichts Besonders, kommt dieser Umstand in
unserer schnelllebigen, von Arbeits- und Partnerwechsel geprägten
Zeit doch regelmäßig bei uns allen vor. Aber Sabrina?
Dazu sei zu erwähnen, dass Sabrina erst vor drei Monaten im
Schweiße ihres Angesichtes ihre neu erworbene Eigentumswohnung
mit all den Dingen ausstattete, welche im modernen Alltag einer
emanzipierten Frau nicht mehr wegzudenken waren. Weniger salbungsvoll
ausgedrückt könnte man sagen, dass Sabrina mir einen
detaillierten Plan ihrer neuen Wohnung in die Hand drückte und mit
dem ihr eigenen “Darling”-Hauchen um Hilfe flehte.
Und wer könnte beim Anblick dieser wunderschönen,
tränenumflorten Augen schon ablehnen, auch wenn der Umzug neben
Kosten für Umzugswagen, Träger, dem Frühstück
für diese sowie den “Lapidar-Kosten” für Werkzeug
etc. auch noch einen Bandscheibenvorfall mit sich bringt?
Und jetzt schon wieder ein Umzug?
Da sich Sabrina am leichtesten beruhigen lässt, indem man sie
wahlweise in ein teures Restaurant einlädt oder aber ihr
gleichartige Speisen in einem equivalenten Ambiente anbietet, lud ich
sie nach der Besorgnis erregenden Mitteilung “Darling, ich muss
erneut mein winziges Heim aufgeben” zu mir nach Hause ein.
Ausgerüstet mit einer durch meine Kreditkarte ermöglichten
Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten wartete ich somit auf den
schicksalhaften Moment, welcher mir die Gründe für Sabrinas
“Aufgeben ihres winziges Heimes” offenbaren würde.
“Darling” perlte es von Sabrinas Lippen. “Darling, Du
erinnerst Dich an meine wunderbare Zeit in Tokyo?”
Ich erinnerte mich nicht, war ich doch zu jener Zeit in Wien geblieben,
während Sabrina, einem bunten Schmetterling gleich, Tokyo
heimsuchte.
“Darling…” Sabrina seufzte und legte ihre Gabel beiseite
ohne den Lachs eines Blickes zu würdigen. Ein entschiedenes
Warnsignal. Sabrina ignoriert einen Lachs. Es musste also etwas
Schwerwiegendes passiert sein.
“Nun, ich war ja so allein in Tokyo.” Die Gabel wurde wieder
aufgenommen, ich atmete auf.
“Und da gab es doch diese wunderbaren kleinen handlichen
Telefone.” Das Wort Handy hatte für Sabrina einen
ähnlich vulgären Beiklang wie das Wort “Surfen” und
wurde vehement vermieden. Außerdem klang “wunderbare kleine
handliche Telefone” auch viel netter.
“Und ich war eben so allein…”
Während ich nunmehr versuchte, trotz des fein moussierenden
Champagners, welcher mich etwas ablenkte, Feinspitz der ich war, eine
Verbindung zwischen den kleinen handlichen Telefonen und Sabrinas
Einsamkeit in Tokyo zu ermitteln, sprach Sabrina bereits weiter.
Fasziniert lauschte ich ihren Ausführungen:
“Diese wunderbaren kleinen Telefone” Das handlich ließ
sie diesmal weg. “Es gab da einen ganz wunderbaren Dienst. Weisst
Du,
Darling, wenn jemand allein ist, dann konnte er sich sozusagen eine
Beziehung mit dem Handy aufbauen.”
Aha, das mobile Tamagotchi war also Sabrina in die Hände gefallen.
Nun war Sabrina natürlich alles andere als unauffällig oder
gar ein Mauerblümchen, doch da Sabrina es gewohnt war, dass die
Männer sie umschwärmten wie die sprichwörtlichen Motten,
war ihr dies wohl in Tokyo nicht so widerfahren. Ich kam nicht umhin,
eine gewisse Befriedigung zu verspüren.
“Darling, es war wunderbar. Du konntest das erste Mal das
Gefühl haben, dein kleines Telefon sei nicht nur ein Wunderwerk
der Technik sondern ein richtiger Freund.”
In Gedanken sah ich mich im Stadtpark spazierengehen, meine Telefone
mit kleinen Leinen hinter mir herführend und nach Stöckchen
jagen lassend.
“Darling?”
Ich lächelte aufmunternd und vertrieb alle Gedanken an den
Mobile-Hund schnellstens.
“Ach, Darling, es war soooo nett. Ich gab diesem kleinen
wunderbaren Telefon all meine Interessen, all meine Sorgen und
Nöte und es half mir, es hörte mir zu uns es redete mit
mir.”
Hm, ich wußte auch all ihre Interessen, all ihre Sorgen und
Nöte (musste ich diese doch meistens lösen respektive
ausbaden), ich tat nichts lieberes, als diesem wunderbaren
gottesgleichen Wesen zuzuhören, ihre Worte wie Ambrosia zu
schlürfen. Und was tat Sabrina? Sie geriet in Euphorie wegen eines
Handys! Pardon, eines kleinen, wunderbaren, handlichen Telefones. Ich
liebte die Technik!
“Es war so nett” Die Gabel wurde wieder beiseite gelegt
obgleich der Lachs noch nicht zur Hälfte das Zeitliche gesegnet
hatte. Bei mir klingelten Alarmglocken als ich sah, dass das
Champagnerglas unberührt war.
“Ja, und dann…”
Ich stellte mein eigenes Glas ab, ignorierte den Champagner und die
langsam zerlaufende Mousse au Chocolate(wer hätte damit rechnen
können, dass es etwas gibt, dass Sabrina den Appetit verdirbt?)
und bemühte mich, meine Spannung durch eine
mitfühlend-abwartende Mimik zu verhüllen.
“Ja, Darling…und dann plötzlich…ach, Darling, es war ganz
furchtbar.” Und dann sprudelte es nur so aus ihr hervor, wurde von
ihr mit atemloser, aufgelöster Stimme vorgetragen:
“Darling, plötzlich bekam ich doch immer wieder die Mails.
Immer bot man mir neue Einkaufsmöglichkeiten an, neue Kleidung,
neuen Schmuck. Ich bekam Mails, die sich mit den neuen
Möglichkeiten der Chirurgie befaßten…”
Langsam dämmerte mir etwas.
In ihrem Eifer, das wunderbare kleine handliche Telefon zu ihrem
einzigen Freund in der Fremde zu machen, hatte Sabrina weder Kosten
noch Mühe gescheut. Und auch keinerlei Informationen vergessen -
sei es ihr ausgeprägter Sinn für Pelze und Perlen, ihre
Leidenschaft für exclusive Dessous (in jenem Geschäft,
welches sie von Deutschland aus nicht im Internet besuchen konnte),
ihren Verdruss über abblätternden Nagellack als auch ihre
leichte Unzufriedenheit ob der Tatsache, dass ihr linker
Nasenflügel eine Winzigkeit größer als der rechte sei.
Doch Mail-Adressen ließen sich ändern, Abonnements
kündigen, Accounts sperren - warum also ein Umzug?
Ich gab Sabrina ihren Champagner und wartete bis sie davon genippt
hatte. “Darling” hauchte Sabrina und stellte das Glas wieder
ab. Es schien kein Entrinnen zu geben vor der Tatsache, dass auch mein
nächstes Monatsgehalt für die bereits oben aufgeführten
Kosten eines Umzuges ausgegeben werden würden. Doch ich wollte
wenigstens wissen, warum.
Was hatte Sabrina, welche selbst den Erfolg eines J. Haider lediglich
mit den Worten “Darling, er sieht ja ganz wunderbar fesch
aus” kommentiert hatte, welche das Florida-Debakel zum Anlass
genommen hatte, sich mit einem fröhlich-lässigen “Nun,
das dürfte länger dauern” ihren Mantel über zu
werfen und von mir zum Essen eingeladen zu werden, was hatte sie
bloß dermaßen verstört, dass sie selbst Champagner
ablehnte?
Sabrina nahm ihr Glas wieder auf - sie schien sich zu sammeln.
“Darling, ich muss eben das jetzige Domizil aufgeben. Aber Du bist
doch da, oder? Du bist ja so geschickt gewesen bei meinem letzten
Umzug. Ich würde Dir das nie nie nie zumuten, Darling, wenn es
nicht unbedingt notwendig wäre.”
Geschickt gewesen? Ich? Nun, obgleich natürlich weit hergeholt war
dies natürlich genau das Labsal, nachdem ich lechzte. Doch ich
würde nicht kampflos aufgeben.
“Darling, es war so furchtbar. Du weisst, heute wollte ich diese
wunderbare kleine neue Boutique an der Peripherie der City
auskundschaften. “Ah ja, das Randgebiet, jenes Sammelsurium an
Boutiquen und ähnlichem, welche meine Kreditkarte
regelmäßig an den Rand des Limits trieben.
Sabrina seufzte erneut als würde sie wie weiland Atlas die Welt
auf den Schultern tragen müssen.
“Und dann klingelte das Glöckchen und ich öffnete und
dort stand so ein wunderbar netter junger asiatischer Mann.”
Ein asiatischer junger Mann? Vor Sabrinas Tür? Das gefiel mir gar
nicht.
“Ja, und er sagte zu mir, er käme von dieser
Heiratsvermittlung in Tokyo, denn die Auswertung meiner
persönlichen Interessengebiete hätte ergeben, dass wir
wunderbar zusammenpassen würden.”
Sabrina hatte eine Heiratsvermittlung aufgesucht?
Nun verstand ich gar nichts mehr - dieses wunderbare Geschöpf vor
mir, deren Auswahl an interessierten Männern aufgelistet selbst
den Brockhaus schlagen würde, diese Aphrodite der Neuzeit hatte
sich an eine Heiratsvermittlung gewandt?
Sabrinas tränenumflorte Augen richteten sich auf mich.
“Darling, ich hatte diesem wunderbaren kleinen Telefon doch alles
gesagt, all meine Träume, all meine Nöte, all meine Sorgen.
Und als es mich dann so lieb nach meiner Adresse fragte: Wie hätte
ich ablehnen können, Darling?”
Ich stand auf und schaute nach, ob die Karte des Umzugsunternehmens
noch in der Nähe war.

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